Journal du Club des Cordeliers - Noosha Aubel: Wie viel Verwaltungsversagen verträgt Potsdam noch?

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Noosha Aubel: Wie viel Verwaltungsversagen verträgt Potsdam noch?
Noosha Aubel: Wie viel Verwaltungsversagen verträgt Potsdam noch?

Noosha Aubel: Wie viel Verwaltungsversagen verträgt Potsdam noch?

Marode Straßen trotz jahrelanger Warnungen. Ein schwerstbehindertes Kind, dessen anerkannter Hilfebedarf bis heute nicht praktisch umgesetzt ist. Und eine Rathausspitze, die Lösungen versprochen hat. In Potsdam drängt sich inzwischen eine unbequeme Frage auf: Erleben wir noch einzelne Behördenpannen – oder längst ein übergreifendes strukturelles Verwaltungs- und Führungsversagen, begonnen unter Mike Schubert und fortgesetzt unter Noosha Aubel?

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Die Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg ist dafür ein beinahe groteskes Sinnbild. Schon im Mai 2026 war ihr Zustand so desolat, dass Potsdam Tempo 10 km/h anordnen musste. Die Stadt sprach selbst von einer „gravierenden“ Verschlechterung; eine komplette Sperrung stand im Raum. Gleichzeitig war der Sanierungsstau des Potsdamer Straßennetzes auf rund 300 Millionen Euro angewachsen, in einem Pressebericht aus dem Juli 2026 wurde das marode Straßenbild dokumentiert.

Und heute?

Die der Redaktion vorgelegten Aufnahmen vom 23. August 2026 dokumentieren keinen bloßen Schönheitsfehler, sondern einen erschreckenden Zustand: Aufgerissene Asphaltdecken, freiliegendes Pflaster, scharfkantige Bruchstellen und massive Unebenheiten prägen das Straßenbild. Für Radfahrer, Motorradfahrer und E-Scooter-Fahrer sind solche Schadstellen nicht nur ärgerlich, sondern potenziell gefährlich; von Barrierefreiheit kann angesichts eines derart desolaten Zustands kaum ernsthaft die Rede sein.

Die Straße wirkt inzwischen beinahe so marode wie die Finanzen der Landeshauptstadt Potsdam.
Was hier sichtbar wird, lässt sich nicht mehr überzeugend als gewöhnlicher Wartungs- oder Sanierungsstau abtun. Angesichts der bereits erfolgten öffentlichen Berichterstattung und der bis heute fortbestehenden Schäden drängt sich vielmehr der Vorwurf auf, dass Gefahrenabwehr und nachhaltige Instandhaltung versagt haben. Politisch fällt diese fortdauernde Misere inzwischen in die Gesamtverantwortung der amtierenden Oberbürgermeisterin Noosha Aubel. Wer eine Stadtverwaltung führt, muss sich daran messen lassen, ob bekannte Gefahren beseitigt werden – und nicht daran, wie lange sie verwaltet werden. Eine Verwaltung, die einen bekannten Gefahrenzustand provisorisch repariert und zwei Jahre später wieder derartige Bilder produziert, hat kein Kommunikationsproblem. Sie hat ein Vollzugsproblem.

Noch erschütternder: der Fall der kleinen schwerbehinderten Heidrun
Bei Straßen geht es um Asphalt. Im Fall der kleinen Heidrun geht es um die Entwicklung und Teilhabe eines schwerstbehinderten Kindes. Dokumentiert sind GdB 100 mit G, B, aG und H. Nach der juristischen Aktenauswertung trägt die Landeshauptstadt selbst vor, bereits 40 Wochenstunden Kita-Assistenz bewilligt zu haben. Trotzdem wurde die notwendige Assistenz nicht tatsächlich umgesetzt; gerade dies wird in den Unterlagen als Aufnahmehindernis bezeichnet.

Die Rechtslage wird in der Auswertung bemerkenswert deutlich zusammengefasst: Die Eltern müssen mitwirken – sie müssen aber nicht selbst Personalagentur, Arbeitgeber und Finanzier des Staates spielen. Die Landeshauptstadt muss eine tatsächlich verfügbare und bedarfsdeckende Assistenz sicherstellen. Hier verkennen die Verantwortlichen in der Landeshauptstadt Potsdam ganz offensichtlich die Rechts- und Gesetzeslage. Der Fall ist nach dem Verwaltungsgericht Potsdam, mit dem Aktenzeichen VG 7 L 1336/25, nunmehr vor dem Sozialgericht Potsdam anhängig (Aktenzeichen: S 20 SO 142/26), dort kämpft der Potsdamer Rechtsanwalt Axel Kapust für das schwerbehinderte Kind und dessen Rechte.

Nach Angaben der Familie besteht dieses Problem bis heute, 24. August 2026. Was ist ein angeblicher Rechtsanspruch wert, wenn eine Verwaltung ihn angeblich auf Papier anerkennt, aber praktisch nicht verwirklicht? Besonders brisant ist die Vorgeschichte. Auch Heidruns Schwester Hedda-Maria ist mehrfach schwerbehindert, mit GdB 100 und Pflegegrad 5. Medizinische Unterlagen hierzu stammen bereits aus dem Jahr 2021.


Damals gehörten Jugend und damit zentrale Kinder- und Jugendhilfestrukturen zum Verantwortungsbereich von Noosha Aubel, die von 2017 bis 2023 Potsdamer Beigeordnete war und ab 2019 auch das Jugendressort verantwortete. Dass Aubel der konkrete Streit der Familie persönlich bekannt war, belegen die vorliegenden Dokumente nicht. Aber politisch kann sie kaum behaupten, die Strukturen, um die es heute geht, seien ihr fremd.

Dass dem Brandenburger Ministerpräsidenten Dr. Dietmar Woidke (64, SPD) der Fall des schwerbehinderten Kleinkindes mittels etlicher Einschreiben schriftlich bekannt ist, wie auch seinem Parteikollegen, dem ehemaligen Brandenburger Innenminister und aktuellen Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt, René Wilke (42, SPD), beide jedoch bis zum heutigen Tage in diesem Fall untätig blieben, ist in Gänze beschämend und lässt Fragen zu Anstand und Moral, auch für Teile der Brandenburger Landesregierung, aufkommen.

Aus dem Erbe Schuberts ist Aubels Verantwortung geworden
Mike Schubert (SPD) wurde im Mai 2025 durch Bürgerentscheid aus dem Amt entfernt. Aubel übernahm am 24. Oktober 2025 die Verwaltungsspitze. Sie versprach vollmundig eine „leistungsfähige und dienstleistungsorientierte Verwaltung“ und erklärte bei ihrer Amtseinführung: „Die Menschen wollen keine großen Worte, sie wollen Lösungen.“ Genau daran ist Aubel zu messen – jedoch: Aktuell ist Ernüchterung bei Potsdamern in Bezug auf die Amtsführung von Noosja Aubel eingetreten.

Zehn Monate nach dem Amtsantritt von Noosha Aubel genügt es nicht mehr, jedes Problem auf Mike Schubert, alte Strukturen, fehlendes Personal oder knappe Kassen zu schieben. Wer Oberbürgermeisterin ist, trägt Führungsverantwortung. Wenn bekannte Straßenschäden wieder offen zutage treten und gleichzeitig ein schwerstbehindertes Kleinkind trotz anerkannten Hilfebedarfs seine Teilhabe nicht praktisch erhält, muss eine demokratische Öffentlichkeit deshalb auch die härteste Frage stellen dürfen:
Ist Noosha Aubel fachlich, organisatorisch und politisch tatsächlich in der Lage, die Potsdamer Verwaltung aus diesem strukturellen Versagen herauszuführen? 

Potsdam braucht keine Verwaltung, die Probleme kennt, Ansprüche bestätigt und Akten produziert. Potsdam braucht eine Verwaltung, die funktioniert, und vielleicht ist es aktuell im Angesicht der massiven Probleme sogar angebracht, über eine Abstimmung zur Abwahl von Noosha Aubel als Oberbürgermeisterin von Potsdam nachzudenken.

M.Motin