Fifa-Pläne für Teilverkauf von Fußball-WM sorgen für heftige Kritik
Die Pläne des Weltfußballverbandes Fifa für einen Verkauf von Anteilen an der Weltmeisterschaft an private Investoren sorgen international für heftige Kritik. "Viele im europäischen Fußball sehen die Pläne der Fifa als absoluten Angriff auf den Fußball an", sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußballbundes (DFB), Hans-Joachim Watzke, dem Magazin "Kicker" in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. "Hände weg von unserem Spiel", warnte auch EU-Sportkommissar Glenn Micallef.
Der Weltfußballverband hatte am Dienstag erklärt, er wolle ein neues Unternehmen gründen, die Fifa Forward Enterprise (FFE), welches die Rechte an der Austragung von Fußballturnieren halten würde. Im Laufe dieses Jahres sollten dann 4,2 Milliarden Dollar (3,7 Milliarden Euro) durch die "sorgfältige Auswahl langfristiger Investoren" eingenommen werden.
Demnach sollen "Minderheitsbeteiligungen ohne Kontrollbefugnis" veräußert werden. Der Verband werde "die alleinige Kontrolle über die FFE" behalten und weiter über Wettbewerbe, Spielpläne, Regeln und sportliche Verfahren entscheiden, versicherte die Fifa.
Watzke, der auch Vizepräsident des europäischen Fußballverbands Uefa ist, sagte zu diesen Plänen: "Hier wurde eine Grenze überschritten." Kritik kam auch vom neuen britischen Premierminister Andy Burnham, der ein begeisterter Fußballfan ist. "Fußball gehört nicht den Investoren", erklärte er. "Er gehört den Menschen, die Woche für Woche bei Wind und Wetter die Tribünen füllen und an der Seitenlinie stehen."
Die Asiatische Fußballkonföderation erklärte, sie sei "enttäuscht" darüber, zu den Fifa-Plänen nicht konsultiert worden zu sein. Die Concacaf, der Dachverband des nord- und mittelamerikanischen Fußballs, zeigte sich "zutiefst besorgt über das Fehlen eines ordnungsgemäßen Verfahrens".
Die Fifa muss ihr Vorhaben noch vom 38-köpfigen Fifa-Rat und der Mehrheit der 211 Mitgliedsverbände genehmigen lassen. Sie wolle dem Rat die Pläne in Kürze vorlegen, kündigte sie an.
In einem Schreiben, aus dem die britische "Times" zitierte, warb Fifa-Chef Gianni Infantino mit Einnahmemöglichkeiten für die Verbände um deren Zustimmung: "Insgesamt wird im kommenden Zyklus, der am 1. Januar 2027 beginnt, jeder Mitgliedsverband gemäß diesem Vorschlag die Möglichkeit haben, bis zu 40 Millionen Dollar pro Mitgliedsverband in Anspruch zu nehmen."
Das wäre zwar nur ein Bruchteil des Gesamtbetrags, insbesondere für kleinere Mitgliedsverbände aber dennoch eine beträchtliche Summe. Die "Times", die am Dienstag als erste über das Vorhaben der Fifa berichtet hatte, schrieb, Gegner des Vorhabens hätten das Angebot als "reine Bestechung" bezeichnet.
Mögliche FFE-Investoren wurden bereits genannt, etwa Thrive Capital, eine Investmentgesellschaft von Joshua Kushner - er ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
Ex-Fifa-Chef Sepp Blatter erklärte dazu: "Die enge Beziehung zwischen dem Fifa-Präsidenten und dem US-Präsidenten hat eine finanzielle Dimension angenommen, die dem Fußball erheblichen Schaden zufügt. Niemand hat das Recht, unseren Sport zu verkaufen."
Die enge Beziehung zwischen Infantino und Trump hatte bereits in den vergangenen Monaten und auch während der kürzlich zuende gegangenen Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko immer wieder für Empörung und Kritik gesorgt.
Im Dezember hatte Infantino dem US-Präsidenten einen eigens für diesen geschaffenen Fifa-Friedenspreis überreicht. Während der WM kam es dann zum Skandal, als die Fifa nach einem Anruf Trumps bei Infantino eine Spielsperre für den US-Stürmer Folarin Balogun aufhob. Die Fifa erklärte dazu später, die Entscheidung habe nichts mit Trump zu tun gehabt.
R.Roger--JdCdC