Journal du Club des Cordeliers - Jassin bringt ostdeutsche Perspektiven zum Festival Pop-Kultur

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Jassin bringt ostdeutsche Perspektiven zum Festival Pop-Kultur
Jassin bringt ostdeutsche Perspektiven zum Festival Pop-Kultur

Jassin bringt ostdeutsche Perspektiven zum Festival Pop-Kultur

Der 21-jährige Musiker Jassin aus Wittenberg trat beim Berliner Festival Pop-Kultur mit einer vierköpfigen Band auf. Sein Konzert verband persönliche Geschichten über Heimat, Familie und das Aufwachsen im Osten.

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Der Auftritt des Musikers Jassin im Kesselhaus der Berliner Kulturbrauerei begann am Freitagabend, 28. August, mit einer Kinderstimme aus dem Off. In einem Mitschnitt aus einer Sendung des Radiosenders Fritz stellte sich ein sechsjähriger Junge namens Karl vor und wünschte sich Jassins Lied Arsenalplatz, weil der Sänger wie er aus Wittenberg komme.

Gegen 23 Uhr betrat Jassin mit Schlagzeug, Bass, Synthesizer und Gitarre die Bühne. Seine Frage, wer im Publikum ebenfalls aus Ostdeutschland komme, löste laute Reaktionen aus. Ein erheblicher Teil der meist jungen Besucher meldete sich. Der 2005 geborene Jassin Awadallah lebt weiterhin in Lutherstadt Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Seit etwa zweieinhalb Jahren erreicht der Musiker mit Liedern über das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz ein junges Publikum. Seine Rap-geprägten Songs behandeln seine Erfahrungen als Trennungskind und Sohn eines ägyptischen Vaters. Auch Rassismus und Reichsflaggen in Kleingärten kommen darin vor. Zugleich beschreibt Jassin den Osten nicht nur kritisch, sondern ausdrücklich als Heimat.

Das zeigt sich in seinem Debütalbum Arsenalplatz, benannt nach einem zentralen Ort in Wittenberg. Im zweiten Lied des Abends spielte auch die Simson S51 eine Rolle, mit der der Erzähler voller Liebeskummer über Landstraßen fährt. Ein ausdrückliches parteipolitisches Statement zur bevorstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gab Jassin bei dem Konzert nicht ab. Im Mittelpunkt standen die Musik, die Interaktion mit den Fans und seine persönlichen Geschichten.

Das Konzert gehörte zur zwölften Ausgabe von Pop-Kultur, die vom 24. bis 30. August an sieben Tagen rund 120 Programmpunkte anbietet. Das Festival verbindet internationale Konzerte, Gespräche und Ausstellungen. Zu den bekannteren Namen im Programm zählten The Notwist und Sophia Kennedy. Eine Ausstellung widmete sich Skateboardfahrern, die in der DDR als Rollbrettfahrer bezeichnet wurden, und ihrer politischen und kulturellen Bedeutung.

Obwohl Veranstaltungen und Kooperationen über Berlin verteilt waren, blieb die Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg ein Schwerpunkt. Vor Jassins Auftritt spielte Deer Anna melancholischen Indie-Folk im Frannz Garten. Im Palais trat die ghanaisch-burkinische Funk-Sängerin Ria Boss gemeinsam mit dem Modekollektiv Wax The Rich des Designers Austin Nortey auf.

Eddington Again verwandelte die Alte Kantine bereits um 20.30 Uhr in einen Club. Das von den achtziger Jahren beeinflusste Duo Lingua Erotica spielte unter freiem Himmel dunklen Synthpop. Die ghanaische Sängerin Baaba J präsentierte beim Format Afro x Pop Unplugged am Klavier Balladen über Heimat, Familie und Verlust.

Weitere Kontraste setzten die Kölner Punkband Grenzkontrolle und das schwedische Afro-Grunge-Quartett Boko Yout. Die Mischung der Auftritte unterstrich den Anspruch von Pop-Kultur, unterschiedliche Szenen, Herkunftsgeschichten und musikalische Formen zusammenzuführen.

Die persönliche Verankerung in Wittenberg prägt Jassins Bühnenbild und Texte. Der Arsenalplatz fungiert dabei nicht nur als Albumtitel, sondern als konkreter Bezugspunkt seiner Herkunft. Die Simson S51 verbindet ostdeutsche Alltagskultur mit einer universellen Geschichte über Jugend und Liebeskummer.

Das Publikum im Kesselhaus bestand überwiegend aus Menschen Anfang zwanzig. Die Reaktion auf Jassins Herkunftsfrage machte deutlich, dass regionale Identität für viele Besucher Teil des Konzerterlebnisses war. Der Auftritt behandelte politische und gesellschaftliche Themen über Biografie und Musik, ohne sich in eine Wahlempfehlung zu verwandeln.

Die große Zahl paralleler Veranstaltungen gehört zum Konzept des Festivals und zwingt Besucher zur Auswahl. Konzerte, Gespräche und Ausstellungen liefen in verschiedenen Räumen der Kulturbrauerei und an weiteren Orten in der Stadt. Gerade die Abfolge sehr unterschiedlicher Stile prägte den Freitagabend.

G.Gaillard--JdCdC