Britischer Premier Starmer tritt zurück - Burnham als Nachfolger in den Startlöchern
Am Ende gab es für Keir Starmer keinen Rückhalt mehr in seiner eigenen Partei: Der britische Premierminister ist am Montag nach monatelangem Kampf um sein Amt zurückgetreten. Er gebe den Vorsitz der Labour-Partei ab und bleibe nur noch bis zur Wahl seines Nachfolgers als Premierminister im Amt, kündigte Starmer in einer emotionalen Ansprache vor dem Regierungssitz in London am Montag an. Starmers parteiinterner Konkurrent Andy Burnham steht schon in den Startlöchern: Der bisherige Bürgermeister von Manchester gab direkt nach Starmers Rücktritt seine Kandidatur für den Parteivorsitz und für das damit verknüpfte Amt als Regierungschef bekannt.
Seine Nachfolge soll laut Starmer geregelt sein, bevor das Parlament Anfang September aus der Sommerpause zurückkehrt. Das Verfahren zur Wahl eines neuen Vorsitzenden der linksgerichteten Labour-Partei werde im Juli beginnen, erklärte Starmer. "Ich werde mein Amt als Premierminister behalten, bis der Wettbewerb abgeschlossen ist, und alles tun, um eine geordnete Machtübergabe zu gewährleisten", fügte Starmer hinzu.
Ein sichtlich bewegter Starmer erinnerte an seine Erfolge als Labour-Chef und betonte: "Jede Entscheidung, die ich getroffen habe, diente allein dem Ziel, das Land, das ich liebe, an erste Stelle zu setzen." Premierminister zu werden, sei "der stolzeste Moment" seines Lebens gewesen. Er habe 2024 eine völlig am Boden liegende Partei übernommen, Labour sei "politisch, finanziell und moralisch bankrott" gewesen. Er habe die Partei zum Besseren verändert, indem er "das Gift des Antisemitismus herausgerissen" habe. "Das Vertrauen in die Wirtschaft, die Verteidigung und die nationale Sicherheit" sei während seiner Amtszeit wiederhergestellt worden.
Der 63-Jährige stand insbesondere seit der Niederlage seiner sozialdemokratischen Labour-Partei bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai massiv auch in den eigenen Reihen unter Druck. Mehrere prominente Parteifreunde, darunter auch Kabinettsmitglieder, hatten ihn britischen Medienberichten zufolge zuletzt zum Rücktritt gedrängt. Während Starmers Umfragewerte abgestürzt sind, gilt Burnham, der ein Vertreter des gemäßigt-linken Flügels der Labour-Partei ist, als einer der beliebtesten Politiker des Landes und als Hoffnungsträger für Labour.
Starmers Beliebtheit war nach seinem Amtsantritt im Juli 2024 abgestürzt. Es begann im Sommer 2024 mit Plänen zur Streichung des Heizkostenzuschusses für ältere Bürger, nach einem Proteststurm musste Starmer zurückrudern. Im September 2025 trat seine Stellvertreterin Angela Rayner zurück, weil sie eine Immobiliensteuer nicht in voller Höhe entrichtet hatte. Im selben Monat musste der Regierungschef das langjährige Labour-Schwergewicht Peter Mandelson als Botschafter aus Washington abberufen - Starmer hatte ihn ernannt, obwohl dessen enge Verbindung zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt war.
Dann kam die demütigende Niederlage für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Mai. Vor allem die rechtspopulistische Partei Reform UK von Nigel Farage konnte massiv zulegen. Seither verstummten die Rufe nach einem Rücktritt Starmers auch in den eigenen Reihen nicht mehr, ihm wurde nicht mehr zugetraut, das Ruder noch herumreißen zu können.
Der letzliche Auslöser für Starmers Rücktritt war der klare Sieg Burnhams bei einer Nachwahl in Nordengland am vergangenen Donnerstag. Burnham gewann dort bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield überraschend deutlich gegen die Rechtspopulisten von Reform UK. Unmittelbar nach Starmers Rücktritt gab er am Montag bekannt, für dessen Nachfolge zu kandidieren. "Ich werde mich in diesem Prozess zur Verfügung stellen", erklärte er im Onlinedienst X. Er rief zu einem "geordneten und verantwortungsvollen" Übergang auf. Starmer sagte, er werde seinem Nachfolger seine "volle und uneingeschränkte Unterstützung zusichern".
Der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting, der zuvor ebenfalls seinen Hut in den Ring werfen wollte, erklärte am Montag, er unterstütze nun Burnham. Damit eröffnete er die Möglichkeit, dass Burnham ohne einen formellen Wettstreit Parteichef und damit auch Regierungschef werden könnte.
Der Rechtspopulist Farage forderte unmittelbar nach Starmers Rücktritt erneut Neuwahlen. "Wir sind bereit, radikale Veränderungen herbeizuführen", erklärte Farage. Reform UK liegt seit Monaten in den Umfragen in Großbritannien vorne.
Internationale Verbündete fanden anerkennende Worte für den scheidenden britischen Premier. Die Bundesregierung in Berlin habe in Starmer "immer einen verlässlichen und engen Partner gehabt in außenpolitischen und gerade in die Ukraine betreffenden Fragen", sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius in Berlin. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte den "Staatsmann" Starmer. "Die Sicherheit Europas und der Ukraine ist dank Dir gestärkt", erklärte sie.
Starmer verabschiedete sich aus Downing Street Nummer 10 mit emotionalen Worten und stockender Stimme: Nach seiner Zeit als Premier wolle er sich nun der "wichtigsten Aufgabe" widmen: Er wolle der beste Ehemann und Vater für seine "fantastische Frau" und seine "wundervollen Kinder" sein.
M.Moreau--JdCdC